1. Newsletter Jänner 2026: Hochschule & Demokratie

 

Sehr geehrte Mitgestalter:innen und Interessierte,

das ist die erste Ausgabe unseres neuen Newsletters zur Hochschulstrategie 2040. Sie widmet sich dem Themenschwerpunkt Hochschule & Demokratie und damit der Frage: Braucht unsere Demokratie (noch) Hochschulen im Jahr 2040? Mit unseren Beiträgen liefern wir Denkanstöße​ und Diskussionsimpulse. Wenn Sie weitere inhaltliche Anregungen zur Hochschulstrategie 2040 haben oder eigene Aktivitäten dazu planen, schreiben Sie uns an .

Ihr Team Hochschulstragie 2040 wünscht Ihnen eine spannende Lektüre.


Warum Hochschulstrategie 2040, erklärt Ministerin Holzleitner

Eva-Maria Holzleitner

The role of engaged universities: Agents for resilient democracies heißt der Beitrag von Eva-Maria Holzleitner in der neuen Publikation der Foundation for European Progressive Studies (FEPS) mit dem Titel "The Great Unravelling". Darin schreibt die Ministerin, worum es ihr bei der Hochschulstrategie 2040, insbesondere im Themenschwerpunkt Hochschule & Demokratie, geht: Hochschulen sind die Treiberinnen, um unsere Demokratie resilienter und widerstandsfähiger für künftige Herausforderungen zu machen. Lesen Sie mehr.


Hochschule & Demokratie: Der Kontrapunkt von Astrid Séville

Braucht Demokratie unsere Hochschulen? Ja, meint Astrid Séville, Professorin für Politische Theorie an der Leuphana Universität Lüneburg und Leiterin des Zentrums für Demokratieforschung (ZDemo). Die 41-Jährige warnt aber vor überzogenen Erwartungen an Hochschulen und Wissenschaftskommunikation. Warum, das hat sie uns im Interview für diesen Newsletter verraten. Séville hielt die diesjährige Vienna Lecture on Science Communication in Wien, die der Wiener Ball der Wissenschaften gemeinsam mit der ÖAW zum dritten Mal veranstalteten. Lesen Sie mehr.


3 + 1 Fragen an Anna Durnová, Co-Leiterin der Arbeitsgruppe Hochschule & Demokratie

Anna Durnová ist Professorin für politische Soziologie an der Universität Wien und Leiterin des Instituts für Soziologie der Universität Wien. Im Rahmen der Hochschulstrategie 2040 hat sie sich bereiterklärt, die Co-Leitung der Arbeitsgruppe zum Themenschwerpunkt Hochschule & Demokratie zu übernehmen. Wir haben sie gefragt, welche Rolle Hochschulen in unserer Demokratie spielen, welche Erwartungen sie an die Arbeitsgruppe hat und wie ihre Antwort auf die Hauptfrage zur Hochschulstrategie 2040 lautet: Wozu brauchen wir 2040 (noch) Hochschulen? Schauen Sie sich das Video an.


Schafft Wissen Demokratie? Die Uni Potsdam hat es untersucht

Logo Projekt GesDims Universität Potsdam

Manchmal lohnt es sich, nach Deutschland zu blicken. Die Universität Potsdam hat dort gemeinsam mit dem Instiut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg 2021 bis 2024 in einem Forschungsprojekt das untersucht, was wir für die Hochschulstrategie 2040 auch diskutieren: Braucht Wissenschaft Demokratie? Wie entwickelt sich die gesellschaftlich und demokratische Teilhabe unter Studierenden während des Studienverlaufs? Wie wird demokratische Teilhabe im Rahmen des Qualitätsmanagements deutscher Hochschulen gefördert? Die Antworten sind auf der Projektwebsite GesDims (Gesellschaftlich-demokratische Teilhabe als Dimension des Studienerfolgs) ebenso nachzulesen wie in folgender Publikation: Behm B., Kohler U., Pasternack P. (2025): Schafft Wissenschaft Demokratie. Gesellschaftlich-demokratische Teilhabe als Dimension des Studienerfolgs, doi.org/10.1007/978-3-658-48981-6


Hochschulstrategie 2040: Inside

Wir stellen vor das Leitungsteam der Arbeitsgruppe Hochschule & Demokratie: Unser Kollege Nikolaus Possanner, strategischer Projektleiter für Wissenschafts- und Demokratievertrauen (BMFWF), Anna Durnová, Professorin für politische Soziologie (Universität Wien) und Alice Senarclens de Grancy, Redakteurin (Die Presse) leiten die Arbeitsgruppe zum Themenschwerpunkt Hochschule & Demokratie. Wer sie sind und warum sie glauben, dass unsere Demokratie die Hochschulen 2040 brauchen wird, lesen Sie hier.

Save the Date Mid-Term-Konferenz am 15. Juni in Wien: Auf dieser werden Zwischenergebnisse aus den acht Arbeitsgruppen zu den Themenschwerpunkten präsentiert, die die Basis für die Hochschulstrategie 2040 darstellen. Mehr Details dazu folgen noch. Weitere Informationen zur Hochschulstrategie 2040 und ihrem Zeitplan: www.bmfwf.gv.at/hochschulstrategie2040


Hochschule & Demokratie: International

Ein Jahr Trump in den USA und die Auswirkungen auf die Universitäten: Der Artikel "Expanding the Web of Control", verfasst von PEN America, dem US-Autor:innenverband, zeichnet nach, wie Meinungsfreiheit und akademische Freiheit in den USA zusehends eingeschränkt werden und wie sich das auf die US-Universitäten und ihre Forschenden auswirkt. Fazit: "Für die Hochschulbildung in Amerika war 2025 ein Jahr der Katastrophe." Lesen Sie mehr.

Serbien und seine Studierendenproteste: Die ARTE‑Reportage „Re: Aufstand gegen die Regierung in Serbien“, erstmals ausgestrahlt am 9. April 2025, dokumentiert und analysiert die seit Ende 2024 andauernden Studierenden‑ und Bürger:innenproteste nach dem Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad. Interviews mit Besetzer:innen und Aktivist:innen vor Ort zeichnen ein Bild von staatlichem Versagen, systemischer Korruption und wachsender Mobilisierung. Hier geht es zum Video.

Drei Zukunftsszenarien, wie sich Europas Hochschulen bis 2035 entwickeln: Die "Wiederauferstehung Europas", die „Tech-Oligarchie unter US-Hegemonie" und die „fragmentierte Gesellschaft“ sind die drei Zukunftsszenarien, die der Bericht "Universities and competitivness" der European University Association für die Hochschulen in Europa bis 2035 skizziert. Er beleuchtet die wichtige Rolle der Hochschulen im neuen Wettbewerbsparadigma der EU, die aber gleichzeitig mit Unterfinanzierung und Bedrohung der akademischen Freiheit zu kämpfen haben. Lesen Sie mehr.


Hochschule & Demokratie: Das sagen die Zahlen

Es gibt nicht die eine Studie zu Hochschule & Demokratie, die alles abdeckt. Es gibt aber zahlreiche Erhebungen, Umfragen und wissenschaftlichen Untersuchungen, die für das Thema relevant sind. Hier eine kleine Auswahl:

International

National


Hochschule & Demokratie: Akademische Freiheit

Academic Freedom Index Bild FAU/VDem

Die akademische Freiheit, also die Freiheit der Wissenschaft und der Lehre, hat 2024 in 34 Ländern und Regionen abgenommen. Das geht aus dem aktuellen Academic Freedom Index (AFI) 2025 hervor. Auch Österreich ist keine Ausnahme, lag aber 2024 mit 0,9 Punkten gerade noch in der Top-Gruppe – hinter den Spitzenreitern Tschechien und Estland, allerdings vor Italien, Deutschland und Frankreich.Generell gerät die akademische Freiheit immer stärker unter Druck. Die Autor:innen des AFI der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) zeigen dies an drei Fallbeispielen: an Argentinien, Polen und den USA. Lesen Sie mehr.


Hochschule & Demokratie: Resilienz

Wie kann man die Widerstandsfähigkeit der Hochschulen und ihrer Angehörigen angesichts der derzeitigen Polykrisen stärken? Das ist die Frage, der die Resilienz von Hochschulen nachgeht, über die im Moment intensiv in der Hochschulforschung diskutiert wird. Angesichts zunehmender Polarisierung und Freiheitsbeschränkungen stehen die Studierenden und Wissenschafter:innen ebenso im Fokus wie das Hochschulsystem und seine Institutionen. Dies umfasst ebenso die Wissenschaftskommunikation.


Hochschule & Demokratie: Friedens- und Konfliktforschung

Mit Wissenschaft und Forschung zur Stärkung des Friedens und zur Lösung von Konflikten beitragen, ist das Ziel der Friedens- und Konfliktforschung. Sie ist für Österreich als neutrales Land von besonderer Bedeutung und damit auch für die Hochschulen. Dazu zählen insbesondere der Schwerpunkt Peace and Conflict Studies an der Universität Graz und der dort eingerichtete Conflict Peace-Democracy Cluster (CPDC). Von dort aus koordiniert Maximilian Lakitsch die europäischen Initiative, die Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner im Vorjahr initiierte und der sich bereits wissenschaftliche Vertreter:innen aus 16 EU-Staaten angeschlossen haben. Lesen Sie mehr.


Hochschule & Demokratie: Partizipation

Logo LBI nur Grafik

Community Science am LBI SOAP: Ob Wissenschaftsvermittlung, Citizen Science oder Science Engagement - die Einbindung der Bevölkerung in Wissenschaft und Forschung hat viele Facetten. Christine Marizzi vom Ludwig Boltzmann Institut für Pandemic Prepardness and Science Outreach (LBI SOAP) möchte sie ganzheitlich angehen. Mit Community Science bindet sie und das ganze Team Menschen in den Forschungsprozess, aber auch in die Verwertung der gewonnen Forschungserkenntnisse und in die Wissenschaftskommunikation ein. Marizzi hat dies bereits in New York im Rahmen ihres Projekts BioBus erprobt. Lesen Sie mehr.

Hochschulen als regionale Campus Partnerinnen: Die Ohio State University verfolgt das spannende Modell der Campus Partners. Dabei treibt die Uni durch langfristige Partnerschaften mit der Stadtverwaltung, der Wirtschaft und NGOs die Revitalisierung von Stadtvierteln, soziale Innovation und Bildungsprojekte voran. Die Planung erfolgt partizipativ durch Einbindung der Stakeholder vor Ort. Lesen Sie mehr.


Hochschule & Demokratie: Zum Nachlesen

Science Talk zu Hochschule & Demokratie am 12. Jänner: „Was braucht unsere Demokratie? Über die Rolle und Verantwortung unserer Hochschulen?“ lautete das Thema des ersten BMFWF-Science Talks des Jahres an der TU Wien. Am Podium diskutierte Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner mit Heinz Fischer, Bundespräsident und Wissenschaftsminister a.D., sowie der Co-Leiterin der Arbeitsgruppe Hochschule & Demokratie, Anna Durnová. Hier der Nachbericht samt Audioaufzeichnung.

Diskussion "Truth matters: Public Outreach und die Verantwortung von Universitäten” am 26. Jänner: Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des internationalen Netzwerks "Scholar at Risk" lud das Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft der Universität Klagenfurt zu einer Diskussion darüber, wie Universitäten Forschende (besser) schützen können. Lesen Sie mehr.


Hochschule & Demokratie: Zum Nachhören

Eine kleine Auswahl an Podcasts zum Thema Hochschule & Demokratie – es gibt natürlich noch viele mehr.

  • Der Zweiteiler "Trump gegen die Wissenschaft" des Deutschlandfunks, in dem die Auswirkungen der Beschränkungen und Umbaus des US-Forschungssystems umfassend beleuchtet wird. Hier kann man die Folgen nachhören.
  • Die Podcastfolge von "Interesting Times with Ross Douthat" der New York Times, die sich um "The Grand Strategy Behind Trump’s Crackdown on Academia" dreht. Sie ist auf der NYT-Webseite, auf Apple Podcasts oder auf Spotify abrufbar.
  • Mini-Podcast "Fragen zur Wissenschaftsfreiheit" der Allianz wissenschaftsfreiheit.de, zu der sich die Wissenschaftsorganisationen in Deutschland zusammengeschlossen haben. Hier kann man die Folgen nachhören.
  • Podcastfolge "Alles neu denken? Demokratie zwischen Avenir oder Futur" mit Prof. Dr. Andrea Römmele der Podcastreihe "Politischer Pausen Podcast" der NRW School of Governance. Hier kann man die Folge nachhören.


Hochschule & Demokratie: Buchtipps & Fachliteratur

Aktuell bzw. kürzlich erschienen:

Sigurður Kristinsson (2023): Constructing Universities for Democracy, Studies in Philosophy and Education (2023) 42:181–200: https://doi.org/10.1007/s11217-022-09853-5 (Jänner 2026): Sigurður Kristinsson argumentiert, dass Universitäten gezielt so konstruiert werden können, dass sie demokratische Werte fördern, ohne dadurch ihre Identität als Universität zu verlieren. Kristinsson schlägt vor, die Idee der Universität so zu überarbeiten, dass demokratische Funktionen systematisch gestärkt werden.

Guimay, S. F. C., & Rendtorff, J. D. (2024): The Role of Science in Society: The Researcher as Public Intellectual. Danish Yearbook of Philosophy, 57(2), 176–198. https://doi.org/10.1163/24689300-bja10066 (Jänner 2026): Sandra F. C. Guimay und Jacob D. Rendtorff untersuchen die Rolle von Forschenden als öffentliche Intellektuelle. Ausgehend von Debatten in Dänemark über aktivistische Forschung analysieren sie ethische Grenzen akademischer Freiheit, die gesellschafliche Verantwortung und das öffentliche Engagement von Wissenschaftler:innen.

Klassiker wiederentdeckt:

Dewey, J. (1916): Democracy and education: An introduction to the philosophy of education: John Dewey versteht Bildung als zentrale Praxis demokratischer Gesellschaften. Schulen und Hochschulen sollen neben Wissen auch demokratische Kompetenzen, kritisches Denken und kooperative Problemlösung vermitteln. Er betont, dass Bildung die Voraussetzung für eine informierte Bürger:innenschaft darstellt. Zugleich fordert er institutionelle Formen, die Wissenschaft und Öffentlichkeit in dialogische Beziehungen bringen. Das Buch ist hier frei zugänglich.


Hochschule & Demokratie: Spannende Veranstaltungen

19. Februar, 18:30 Uhr: "Democracies under Stress: What to Do", Diskussionsveranstaltung des Instituts für die Wissenschaft vom Menschen (IWM) an der Botschaft der Tschechischen Republik in Wien mit Věra Jourová, der ehemaligen Vizepräsidentin der Europäischen Kommission,

19.-20. Februar: SAR European Advocay Days zu "Academic Freedom as Democratic Imperative", MCI Innsbruck: Zweitägige Scholars at Risk-Konferenz zu akademischer Freiheit und die Verteidigung demokratischer Rechte.

26. März: Safe Democracy Convention 2026, Wiener Rathaus: die Veranstaltung, die heuer zum zweiten Mal stattfindet, dreht sich darum, den Kontakt zu Bürger:innen mit KI und anderen Technologien zu verbessern.

7.-8. September: ICONS Austrian Chapter Conference 2026 "Academic Freedom and Democracy", Universität Graz: Rechtswissenschaftliche Fachkonferenz zu akademischer Freiheit im öffentlichen Recht; Einreichungen für Panels und Beiträge sind bis 1. März möglich.

Hier kann auch Ihr Termin stehen, wenn er thematisch passt. Schreiben Sie uns an .


BMFWF-Veranstaltungen

BMFWF Logo

23. Februar, 19 Uhr: Science Talk zu "Technik mit Verantwortung? Möglichkeiten und Grenzen in Zeiten von KI und Digitalisierung" an der TU Wien ScT - Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung

2. März, 19 Uhr: Preisverleihung Wissenschaftsbuch des Jahres, TU Wien

24. April: Lange Nacht der Forschung in ganz Österreich - Eintritt frei LNF26 Lange Nacht der Forschung


Frag die KI: Wozu braucht Demokratie 2040 die Hochschulen?

ChatGPT (Version 5.1) hat auf den Prompt "bitte ganz kurz, prägnant und keine Allgemeinplätze" geantwortet:

Demokratie braucht Hochschulen als demokratische Infrastruktur. Bis 2040 werden diese noch wichtiger, weil sie:

  • digitale Macht verstehbar machen – wer KI, Plattformen und Datenpolitik nicht versteht, kann darüber auch nicht demokratisch entscheiden;
  • Widerspruch trainieren – Universitäten sind Orte, an denen Argumente statt Schlagworte zählen und man lernt, Konflikte mit Gründen auszutragen;
  • langfristig denken – sie entwickeln Szenarien zu Klima, Arbeit oder Sicherheit, die über Wahlzyklen hinausreichen und Politik handlungsfähig halten.
Ohne starke Hochschulen verarmt die demokratische Urteilsfähigkeit, wenn wir sie 2040 am dringendsten brauchen.